Ich denke, jedem Benutzer auf ff.de dürfte klar sein, was ein Alternate Universe (im folgenden "AU") ist. Aber trotzdem erinnere ich mich gerade an eine winzige Begebenheit, die ich wirklich zum Niederknien süß fand - eine Autorin wurde damals im Lost Fandom darauf hingewiesen, dass sie ihre Story doch bitte als AU kennzeichnen soll, weil das nicht jeder gerne liest. Und sie war dann ganz bedröppelt und hat schüchtern darum gebeten, doch nicht ganz so harsch mit ihr umzugehen, es wäre immerhin ihre erste Geschichte in dem Fandom. Ich wunderte mich schon - harsch?? Hmm... na ja, es ist ne Tatsache und wenn sie darauf besteht, dass es sich an den Canon hält, dann soll sie halt auch so schreiben. Na ja, bis sich ein paar Kapitel und Reviews später herausstellte, dass sie dachte "AU" bedeutet sinngemäß "oh GOTT is die Story mies geschrieben... das tut ja schon weh!!!" (daher der Begriff "AU", den sie für sich selbst als das Au = "Autsch, Aua" übersetzt hat). Es war zu putzig.
Von daher also erstmal noch die Erklärung... "AU", also das Alternate Universe, bedeutet, dass man die Vorlage umschreibt. Das könnte in etwa so aussehen, dass vor dem Beginn des eigentlichen Canons etwas passiert, das den Folgeverlauf komplett verändert (hmmm, vielleicht sogar ne Art "Butterfly Effect" Geschichte) und komplett andere Dinge passieren als im Original. Dabei hält man sich aber trotzdem an das Grundprinzip des Canons und auch an die Charaktere. Diese Variante des AU kann sogar ziemlich gut sein, denn es geschehen zwar Dinge, die so nie wirklich geschehen sind, aber gerade deswegen sind sie meist äußerst interessant und solange man die Charaktere trifft - immer her damit!
Dann gibt es das AU, das eine komplett andere Welt erschafft. Und das ist übel. Wirklich übel. In 9 von 10 Fällen nahezu unerträglich. Denn es sind meistens grottenschlechte Geschichten, die mir regelmäßig die Tränen in die Augen treiben. Die Charaktere sind derart OOC, dass einem schlecht werden könnte. Ein paar Beispiele gefällig? Kein Problem... weiterlesen auf eigene Gefahr!!
Mich persönlich interessiert es einen Scheiß, wenn die Inuyasha Charaktere auf eine Highschool gehen. Inuyasha ist ein Halbdämon mit Hundeohren, der im feudalen Japan lebt. Dieser Charakter hat nichts, aber rein GAR nichts auf der Schulbank in der Modernen zu suchen! Ganz zu schweigen von Sesshoumaru, der Menschen hasst, ein Volldämon ist und eigentlich nur eines will - Macht.
Genauso wenig haben ein Altair und Malik etwas in der heutigen Zeit als Lieferboten zu suchen. Das ist nicht die original Welt, in die man sich als Fan verliebt hat. Punkt. Bevorzugt sind die beiden dann natürlich auch noch ein Pärchen - zwangsverschwulte Weicheier, die alle paar Minuten losheulen, weil sie ihre Tage haben. (Woher kommt eigentlich dieses merkwürdige Vorurteil, dass homosexuelle Männer ständig am heulen sind und dauernd über ihre Gefühle reden müssen??). Oder verfrachten wir Ezio doch einfach mal nach Amerika, lassen ihn Leiter eines Weltkonzerns sein, die tollsten Parties schmeißen, auf denen sich immer alle Frauen nackig machen und auf den Tischen tanzen, um mit dem Über-Playboy in die Kiste zu steigen. Würg.
Oder Edward Cullen ein versnobter Milliardärssohn, der den schönen Schwan (na, na, wer hat's gemerkt?? :D) als Zimmermädchen bei sich einstellt. Ja. Is klar. Dass ich da nicht selbst drauf gekommen bin. Lag doch auf der Hand! Und natürlich ist keine einzige Kreatur in der Geschichte ein Vampir. Okay, lieber kein Vampir als ein glitzernder Vampir, aber trotzdem - hier geht es ums Prinzip ;)
Noch grauenvoller finde ich es, wenn man sein bevorzugtes Fandom nimmt und eine andere bekannte Vorlage (Film oder Märchen oder sowas in der Richtung) auf dieses Fandom münzt. Wo bleibt da die Eigenleistung? Man "klaut" den original Film, tauscht die original Charaktere durch jene im Lieblingsfandom aus und macht eine neue Geschichte daraus? Mhm... ja nee, is klar... VOLL das Fandom getroffen, wirklich. Und auch alle Charaktere so gut getroffen, ja ja *ironie off*
Sollte nun der Eindruck entstanden sein, dass ich die meisten AU Geschichten verabscheue - das ist richtig. Dabei muss ich aber nochmal ausdrücklich betonen, dass es dabei um die AUs geht, in denen ALLES komplett anders ist. Was bringt es, irgendwas zu "erschaffen", das so mal rein GAR nicht existiert? Ich entfremde ALLES und meine Charaktere heißen lediglich so wie die Originale - dass sie einen völlig anderen Charakter haben und manchmal sogar noch völlig anders aussehen (wtf???), kommt bei manchen AUs tatsächlich vor. Es ist ein Graus. Wirklich. Ich verstehe den Sinn dahinter einfach nicht. Wenn ich dieses Fandom liebe, warum kremple ich es dann derart um, dass man es NULL wieder erkennt?? Nun mag man sich fragen, warum ich dann manchmal in AUs reinklicke, wenn ich es doch so hasse... weil ich bis heute hoffe, dass mich ein begnadeter Autor eines besseren belehrt. Man weiß nie, wo man die Meisterwerke findet - dies könnte sogar in einem AU passieren. Aber bitte, lasst einen beim Lesen wenigstens die Charaktere wieder erkennen (und zwar NICHT nur am Namen).
Die Geschichte kann meinetwegen in einem anderen Setting stattfinden, so pingelig bin ich nun auch wieder nicht... aber auch hier mein ewiger Appell: bitte macht dies auf logische Art und Weise. Versucht mal, originell zu erklären, wieso die Charaktere jetzt plötzlich in dieser und jener Welt agieren, in der sie im Original rein gar nichts zu suchen hätten. Verfrachtet sie nicht einfach in ein völlig anderes Universum "weil halt". Das geht schief. So gut wie immer.