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Mittwoch, 21. November 2012

Self Inserts

Gestern habe ich es kurz angerissen und heute möchte ich darüber mal noch ein wenig sinnieren - Stories, die es (leider) immer öfter auf ff.de gibt. Vor allem im AC Fandom. Stories, deren Autoren scheinbar oft davon ausgehen, dass Niveau eine Creme ist und sie somit der Ansicht sind, dass es nichts in ihrer "Geschichte" zu suchen hat. Stories, die ich mittlerweile leidenschaftlich hasse - die self inserts. Aber zunächst muss man glasklar unterscheiden. Für mich gibt es zwei Gruppen der self inserts, die auch wirklich strikt getrennt werden sollten. Self inserts bei Fanfiktionen und self inserts bei freien Arbeiten.

Widmen wir uns zunächst den Fanfiktionen. Es ist ein Graus. Wirklich. Absolut. So sehr, dass ich manchmal schon mit offenem Mund vorm Monitor saß und mir dachte "das kann sie doch gerade nicht ernst meinen!!!". Da begegnen einem sinngemäße Kurzbeschreibungen wie "mein Hund hat um 22:30 zweimal gebellt und deswegen war ich plötzlich in Firenze (oder Akkon) und traf auf Ezio (oder Altair).". Sagt schon alles. Jetzt will ich nicht behaupten, dass self inserts grundsätzlich schlecht geschrieben sind. Man mag eine begnadete Autorin sein, die sich auszudrücken weiß - aber alle und zwar wirklich alle self inserts haben ein ganz, ganz großes Problem - sie haben nicht den geringsten Funken Logik. Ich verstehe ja irgendwo das Bedürfnis, dass man gerne darüber schreiben möchte, wie man selbst Abenteuer mit seinem persönlichen Helden erlebt. Gegen den Wunsch ist nichts einzuwenden, immerhin hat es ja einen Grund, warum man ein Fan ist... man würde gerne mal auf den Charakter treffen und ihn "in echt" agieren sehen.

Aber... Leute... ganz ehrlich. Wenn jetzt Mary Sue XY (ja, ich verwende jetzt den Begriff Mary Sue für einen self insert, auch, wenn ich gestern sagte, dass ein self insert nicht zwingend eine Mary Sue sein muss - warum in diesem Fall aber doch, wird bei der Problemauflistung schnell klar werden) aus welchem hanebüchenen Grund auch immer in der Welt des Charakters landet (manche machen es sich ganz einfach und erklären GAR nicht, warum und wie MS dort gelandet ist... sie ist halt einfach da - so deal with it), wäre die logischste Reaktion ein SCHOCK.

Problem Nummer 1: MS ist total begeistert "coooooooooooooooooool!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Ich bin in Firenze und gleich werde ich Ezio begegnen!!!!!!!!!!". Nein, MS ist nicht verstört, weil sie plötzlich (aus welchem Grund auch immer) aus ihrem Umfeld gerissen wurde und jetzt in einer ihr völlig fremden Zeit gelandet ist. Nein, die Leute dort wundern sich auch nicht, warum MS Hot Pants und Bikini trägt, denn so sind ja schließlich alle Frauen in der Renaissance rumgelaufen *ironie off*. Nein, die Leute dort haben auch keine Probleme MS zu verstehen, wenn sie in der "coolen, modernen" Sprache spricht und mit Worten um sich wirft, die damals schlicht und ergreifend noch nicht verwendet wurden. Aber trotzdem verstehen sie alle. Denn sie ist ja eine Mary Sue - und die versteht man halt.

Problem Nummer 2: MS ist total perfekt und erfahren. Sie erteilt Ezio Lektionen und zeigt ihm, was einen richtigen Assassinen ausmacht. Nein, der Fakt, dass Ezio ein MEISTER Assassine (!!!) ist, tut überhaupt nichts zur Sache. MS ist trotzdem besser. Ist halt so, liegt in der Natur der Sache.

Problem Nummer 3: Natürlich verliebt Ezio (wahlweise auch Altair) sich in MS. Unsterblich. Alles andere macht keinen Sinn mehr, solange er MS nicht haben kann. Aber MS spielt selbstverständlich "hard-to-get" und lässt den sexy Meister Assassinen mehrmals abblitzen. Klar aber, dass er nicht locker lässt, denn er muss sie einfach haben. Schließlich ist sie die schönste Frau, die ihm je begegnet ist.

Eigentlich ließe sich die Liste noch endlos lange weiterführen, aber ich  mache an der Stelle jetzt einfach mal einen Bruch, sonst kommen mir wirklich noch die Tränen. Jetzt mag man damit argumentieren, dass Fanfiktionen dichterische Freiheit bedeuten und sowieso alles "Fantasy" ist. Ja, mag so sein... landet MS halt während dem zocken auf wundersame Weise plötzlich im Spiel - mir passiert das auch ständig, gerade neulich war ich mal wieder in Monteriggioni und alles war total cool. Aber bitte, Mädels... wenn ihr es schon unbedingt schreiben müsst ohne jegliche erkennbare Logik... lasst euren Charakter (also euch selbst) bitte LERNEN. Sich der Welt entsprechend zu benehmen und zu reden. Und schon wäre einer der größten Kritikpunkte beseitigt. Ist doch eigentlich nicht so schwer, oder?

Seit ich auf ff.de bin, hab ich jedenfalls noch nicht eine einzige self insert Fanfiktion gelesen, die wirklich gut war. Keine. Einzige. Vielleicht werd ich eines Tages eines besseren belehrt, aber ich wage es zu bezweifeln.

Kommen wir nun zum Positivbeispiel eines self inserts im Bereich Freie Arbeiten (oder RLP - was aber für meine Begriffe dennoch unter freie Arbeiten fällt, denn nur, weil ich eine Berühmtheit in meiner Geschichte auftreten lasse, bediene ich mich ja nicht an einem vorgegebenen Universum). Stormys Mammutreihe "As simple yet as complicated", die mich begeistert hat wie kaum eine andere Geschichte auf ff.de. Wer Karl Urban kennt und mag, dem sei dieses Werk wärmstens ans Herz gelegt, denn es zeigt einem, dass self inserts wirklich genial sein können. Deswegen muss man auch klar unterschieden zwischen Fanfiktionen und freien Geschichten - bei Fanfiktionen funktioniert es einfach nicht. Kann nicht funktionieren. Bei freien Arbeiten ist das was gänzlich anderes, vor allem, wenn man so talentiert ist wie Stormy und ein Händchen dafür hat, was sich gut lesen lässt. Hier braucht man keine "Logik", denn warum sollte eine junge Dame nicht tatsächlich mal einen Star kennen lernen? Das ist durchaus denkbar und nicht so weit hergeholt wie ein Trip in ein Spiel, einen Film, ein Buch etc.

Die Entwicklung, die ihre Charaktere in dem Mehrteiler durchmachen, ist realistisch, "greifbar" und macht einfach wahnsinnig viel Spaß. Und hey, Stormy... Mary Sue? Nie im Leben... wenn ich mir in Erinnerung rufe, wie oft Anni Bockmist verzapft hat und wie "unperfekt" sie eigentlich ist... keine Angst... das ist so dermaßen Anti-Sue, dass es eine wahre Pracht ist :D

Ja... also, ihr seht... es gibt durchaus Unterschiede zwischen den self inserts. Für freie Arbeiten absolut möglich und wenn man es gut macht, ein Heidenspaß. Bei Fanfiktionen ein absolutes no-go, wenn man keinen vernünftigen Grund für die "Reise" anbringen kann (lasst den Chara meinetwegen im Koma liegen und den ganzen Kram träumen - das wäre vielleicht noch tragbar).

Rant over. And out.

Dienstag, 20. November 2012

Der Alptraum eines jeden Autors, oder: "Gestatten - Mary Sue!"

Da in einem der Kommentare die Sprache auf das Thema "Mary Sue" kam, möchte ich auch das mal hier auseinander pflücken (hach Gott, ich merke immer wieder, wie sehr ich das bloggen doch vermisst habe :D), denn immerhin ist es ein Thema, mit dem sich eigentlich jeder Hobbyautor früher oder später mal auseinandersetzen muss oder musste. Wer behauptet, dass er noch nie damit zu kämpfen hatte, der lügt schlicht und einfach, oder weiß nicht so recht, was genau eine Mary Sue überhaupt ist. Und damit will ich mal anfangen - was genau macht eine Mary Sue überhaupt aus? Grundsätzlich muss man unterteilen. Seit ich auf ff.de registriert bin (also schon ein paar Jährchen), sind mir im Großen und Ganzen zwei Definitionen von "Mary Sue" begegnet.

Die erste wäre simpel. Eine Mary Sue ist ein self-insert. Hmmmmm. Mit der Erklärung bin ich nie so richtig warm geworden, denn irgendwie find ich das unlogisch. Bloß, weil man sich selbst in eine Story verfrachtet, muss es nicht gleich zwingend eine Mary Sue sein (denn ich bezweifle ernsthaft, dass auch nur eine Hobbyautorin auf ff.de im wahren Leben auch nur annähernd eine Mary Sue ist). Was anderes ist es natürlich, wenn man sich selbst sämtliche Fähigkeiten andichtet, aber das ist ein anderes Thema.

Die zweite ist die, die ich auch als Mary Sue auffasse - die wunderschönste Frau auf diesem Planeten, in die sich sofort jeder Mann unsterblich verliebt (im Harry Potter z.B. auch Voldemort, dem völlig egal ist, wie gut und lieb und perfekt sie ist. Weil sie ist halt wunderschön). Eine Frau (oder meistens Mädchen), das alles kann, alles weiß, alles besser macht als die original Charaktere, natürlich absolut keine Fehler macht, kurz gesagt - perfekt ist.

Anlass für den Blogeintrag war wie gesagt ein Kommentar zu einem anderen Posting und hier möchte ich speziell die liebe Andauril mal ansprechen: mach dir keine Sorgen, Marcia ist sowas von rein GAR nicht mary-sueig!! Sicher, irgendwann hat jeder Autor mal Angst, dass er es gerade etwas übertreibt. Auch ich hatte manchmal die Befürchtung, dass ich Sara in Deception langsam aber sicher zu einer Mary Sue mutieren lasse. Da hatte ich dann stellenweise schon Bedenken, wenn Ezio sie interessant fand - "verdammt, ist sie jetzt ne Sue, weil er sie faszinierend findet?!". Solche oder so ähnliche Krisen hatte ich zuhauf. Aber mittlerweile denke ich mir - nur, weil die Protagonistin hübsch ist, oder das "gewisse Etwas" hat, ist sie noch längst keine Sue. Sie darf auch ruhig den Männern mal den Kopf verdrehen - solang sich nicht JEDE männliche Figur unsterblich in sie verliebt, ist die Mary Sue Gefahr eigentlich gebannt.

Wäre es nämlich anders gefragt nicht weitaus sueiger, wenn wir ne potthässliche Figur erschaffen würden, sie der männliche Hauptcharakter aber trotzdem als die schönste Frau der Welt empfindet? Ich fand es ehrlich gesagt immer ganz schlimm, wenn wir eine unattraktive Frau haben, die eigentlich keinem Mann gefällt - aber der Hauptchara findet sie natürlich trotzdem toll und wunderwunderschön. Da schrillen meine Sue-Alarmglocken lauter, als bei einer "offensichtlichen" Schönheit. Denn es GIBT nunmal viele schöne Frauen, warum darf man dann also nicht von einer schreiben? Und betrachtet man einfach mal das Medium Film - es sind nunmal die schönen Frauen, die einem von der Leinwand entgegen lächeln. Aber würde man eine Angelina Jolie, Gwyneth Paltrow, Natalie Portman etc. deswegen als Mary Sue bezeichnen? Nein. Also von daher... schöne Charaktere sind in Ordnung.

Heikel wird es eben dann, wenn sie alles und ich meine wirklich alles können. Sie kennen sich auf jedem Gebiet bestens aus, bestreiten Kämpfe, für die es eigentlich fünf Mann braucht, allein (und zwar spielend leicht). Sie rülpsen nie und furzen nie und wenn doch, duftet es nach einer frischen Frühlingswiese. Ich denke, es ist klar, was ich meine... Jetzt mag man sich fragen "wer schreibt denn bitte SO ne Figur?". Glaubt mir, es gibt sie... ich erinnere mich an diverse FFs, die ich früher im Lost Fandom gelesen habe... und der Sue-Faktor war unfassbar hoch. Eklig perfekte Charaktere sind schlicht und ergreifend langweilig. Sie sollen straucheln, sollen Fehler machen, sollen Macken haben und sollen ruhig auch mal gehörig auf den Arsch fallen. Das ist es schließlich, was eine gute Geschichte ausmacht. Will ich wissen, wie perfekt sie durch ihre perfekte, kleine Welt hüpft und auf welche perfekte Weise sie alles perfekt meistert? Neeeee... *schnarch*

Kleine Sue-Elemente dürfen Charaktere haben, finde ich. Vom totalen Loser will schließlich niemand schreiben. Man will beim Lesen Ecken und Kanten, Rückschläge und Probleme. Und solange es das in einer Geschichte gibt, hab ich auch nichts zu meckern, wenn ein Charakter mal ein wenig sueig anmutet. Von daher - es gibt viele Grauzonen, was die Mary Sues angeht und ein bisschen "Sue" steckt in jedem unserer Charas. So ist es einfach. Und das ist auch in Ordnung. Nur übertreiben darf man es nicht :-)

Beim nächsten Mal (später oder dann morgen) widme ich mich einem Thema, das ich hier kurz angerissen habe - dem self insert... bzw... RETTE SICH WER KANN!!!!!!!!!