Montag, 19. November 2012

Kritik - wo fängt sie an, wo hört sie auf?

Vorneweg - ja, ich will Kritik. Ehrlich gemeinte. Konstruktive. Tipps, die mir dabei helfen, gewisse Dinge besser zu machen, bei denen es hapert. Keiner von uns ist ein perfekter Autor, sonst würden wir nicht auf ff.de veröffentlichen, sondern schon längst unsere eigenen Bücher in den Läden sehen. Jeder kann irgendwas verbessern, jeder hat Schwächen. Aber für was nehme ich Kritik an und für was rein gar nicht? Denn ja, da gibt es meines Erachtens durchaus Unterschiede...

Ich bin dankbar, wenn man mich z.B. auf Dinge hinweist, die ich gerade falsch verwendet habe. Wie z.B. eine Redewendung, deren Bedeutung ich in dem Moment völlig verquer ausgelegt habe und an einer unpassenden Stelle verwende, weil da gerade ein Knick in meinem Hirn war. Unlogik, Zeitfehler, falsche Recherche... all das sind Dinge, auf die ich gerne hingewiesen werde, da will ich den nötigen Schubs.

Wo ich allerdings keine Kritik annehme, bzw. als völlig überflüssig erachte - Schreibstil. Das mag jetzt im ersten Moment so klingen, als wär ich so eine, die sagt: "wenn's dir nicht gefällt, lies es halt nicht du blöde Kuh!!!". Dem ist nicht so. Ja, selbstverständlich kann man darauf hinweisen, wenn eine Geschichte SO schlecht geschrieben ist stilmäßig, dass man Augenkrebs bekommt und einen Übersetzer bräuchte, um auch nur annähernd etwas verstehen zu können. Und ja, selbstverständlich kann man auch loben, wenn ein Stil besonders gefällt (mach ich ja auch bei anderen Geschichten). Man kann also durchaus seine Meinung zum Stil kundgeben.

Aber wenn ich jetzt z.B. Autoren nehme wie mich, Stormy, Andauril, Hausfreak etc. Leute, die schon sehr viele Jahre schreiben und über die Zeit ihren eigenen "Stempel" entwickelt haben... bringt es da was, den Schreibstil zu kritisieren? Nö, meines Erachtens nicht. Man hat nach so viel Zeit irgendwann ein Gefühl dafür entwickelt, was sich einigermaßen schön lesen lässt, was Spaß macht, was vielleicht auch langweilig ist etc. Und wenn mir nun jemand sagen würde "sorry, dein Stil gefällt mir nicht, ich finde du solltest..." - da schalt ich tatsächlich ohne zögern auf Durchzug. Denn dann wird die Art und Weise kritisiert, wie ich persönlich Geschichten erzähle und ganz ehrlich... die werde ich nicht ändern, nur, weil jemand vielleicht einen anderen Erzählstil bevorzugen würde. Ich verbiege mich nicht für spezielle Leser, ich werde nicht plötzlich mir selbst untreu, nur weil ich will, dass es möglichst jedem gefällt. Ich bleibe meiner eigenen Linie treu, denn schließlich will ich mich wohlfühlen und das vertreten können, was ich schreibe, bzw. WIE ich es schreibe. Ich schreibe nicht FÜR andere Leute. Ich schreibe für mich, weil es mir Spaß macht und wenn ich es veröffentliche, stelle ich es sozusagen den Lesern zur Verfügung. Hat man dann -krass ausgedrückt- überhaupt das "Recht", den Stil zu kritisieren? Bzw. klar, man kann kritisieren. Man kann jemandem sagen, wenn man persönlich findet, dass er zu viel rumschwafelt, zu wenig auf gewisse Dinge eingeht etc. Aber man kann nicht erwarten oder gar verlangen, dass der Autor das den eigenen Vorlieben entsprechend abändert. So etwas würde ich mir als Leser nie anmaßen. Und im Endeffekt machen das manche Leute, wenn sie (im falschen Ton) einen Schreibstil kritisieren. Für mich einfach ein no-go. Wenn ich z.B. in einem Review sage, dass ich gerne noch etwas mehr zu einem gewissen Punkt gelesen  hätte (mir also nicht genug auf etwas eingegangen wurde), betone ich IMMER, dass das meine persönliche Vorliebe und somit nicht als Kritik zu werten ist.

Nochmal zur Klarstellung: natürlich kann man seine MEINUNG zu einem Stil sagen. Aber wenn man dann anfängt a la "das solltest du so und so schreiben", "hier solltest du das und das Wort verwenden", überschreitet man eine unsichtbare Grenze, finde ich. Außer, ein Anfänger bittet ausdrücklich darum, das ist dann was anderes. Aber langjährige Autoren haben ihren Stil. Punkt. Den haben sie in einem langwierigen Prozess gefunden und in gewisser Weise identifizieren sie sich damit. Da sollte also von einem "fremden" Leser nicht dran rumgewerkelt werden.

Kritik ist also eine schwierige Sache - schwieriger als man denkt. Wo fängt sie an, wo hört sie auf, wie ist sie gut verfasst, wie könnte sie als Angriff gewertet werden. Was soll man kritisieren und was soll man besser einfach schlucken?

Bleibt am Ende eigentlich nur eines zu sagen... mit Kritik muss man vorsichtig umgehen. Sowohl, wenn man sie bekommt, als auch, wenn man sie verfasst. Letzten Endes wollen wir ja alle nur eines - lernen und uns verbessern. Und das können wir nur, wenn wir die Meinungen anderer hören. Was wir davon letzendlich annehmen und umsetzen, bleibt selbstverständlich uns überlassen, aber auf diesem Wege möchte ich mal allen danken, die je Kritik ausgesprochen haben und mir somit wirklich, wirklich geholfen haben. Ohne die reviewenden Leser wäre ich nicht da, wo ich heute bin. Klar, auch heute verzapfe ich manchmal noch Sachen, bei denen ich denke: "oh mein GOTT, was für nen SCHEIß hab ich denn bitte da hingerotzt!!!!". Aber diese Momente werden immer seltener und das liegt definitiv an der gut gemeinten Kritik, die ich über all die Jahre bekommen habe.

Danke dafür. Wirklich.

8 Kommentare:

  1. *seufz* Die Elefantenhaut hätt ich gern... Mich könntest du mit nem einzigen Review so richtig schön aus der Bahn werfen *G*

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  2. Kritik am Schreibstil, wenn man da nicht gerade grobe Schnitzer begeht oder Worte unpassend/überreizt verwendet obwohl man es besser kann, finde ich auch ziemlich blöde. Stil ist doch häufig Geschmacksache.

    Sicher gibt es Punkte, da kann man recht allgemein sagen, es sei schlechter Stil (Sätze die vor Adjektiven so sehr überquellen dass man nicht mehr weiß, was jetzt gemeint war, etwa. Oder unstimmige Ausdrücke. Stilblüten... Grammatikalische Fehler), aber die meisten Autoren die da schon was länger im Geschäft sind, wissen doch oft sehr genau, warum sie etwas so und nicht anders schreiben/ausdrücken.

    Genauso blöde finde ich es übrigens, auf Tipp-/Rechtsschreibfehler im Review hinzuweisen, da ich finde, dass sowas den Autor bloßstellt, schließlich kann das jeder lesen. Auf solche Sachen will ich per PM hingewiesen werden, nicht im Review.

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  3. @Stormy: ich weiß, Süße... ich wollte eigentlich auch noch nen anderen Punkt ansprechen, hab ich aber total vergessen... bzw. aus meiner Rohfassung rausgelöscht, weil ich ihn noch umforlieren wollte. Du lässt dich schnell aus der Ruhe bringen, wenn es um die Charakterisierung geht, hab ich gemerkt ;) und da wollte ich am liebsten jedes Mal nochmal ein extra Rev schreiben und dich insofern "zurecht stutzen", dass du dir das nicht zu Herzen nehmen sollst. DENN, imo ist gerade die Sache mit den Charakteren eine mega Grauzone. Bloß, wenn jemand denkt, dass ein Chara anders handeln würde, heißt das noch lange nicht, dass du mit irgendwas daneben gehauen hast, im Gegenteil. Die Charaktere sind IMMER Auffassungssache, das ist von Mensch zu Mensch verschieden und insofern GIBT es da kein "richtig" oder "falsch". Never ever. Das wollt ich dir schon oft sagen um deine Zweifel auszumerzen. Das, was du bisher z.B. immer geschrieben hast, ist für mich die absolute Oberliga - sowohl stilistisch als auch tiefen-mäßig (also charaktermäßig). Dass sie bei dir alle sowieso IC sind, muss man nicht extra betonen. Du hast die alle sowas von im Griff :) wenn also mal wieder "Unstimmigkeiten" aufkommen, lass dich dadurch nie verunsichern. Du stellst die Charas dar, wie du sie wahrnimmst und das ist absolut perfekt so :)

    @Andauril: Eben, es ist absolut Geschmackssache. Okay, gut, wenn ich dann so manche Story sehe, in der du wirklich kurz vorm Heulen bist, weil sie SO schlecht ist, dann wäre es angebracht mal dezent drauf hinzuweisen. Ich war ungelogen auch schonmal kurz davor, ne Story zu melden, weil sie einfach... unterirdisch war. Das war unzumutbar, wirklich und meine Schmerzgrenze ist groß! Aber das... *schüttel* das war einfach übel. Und da ist es auch okay, am "Stil" zu meckern, weil man ganz genau weiß - das ist grad n kleines Mädchen, das einfach mal hingeklatscht hat, worauf es grad Bock hat und dann auch noch meint, es wäre Shakespeare-würdig... -.-
    *pfeif* also ich bekenne mich schuldig, dass ich manchmal schon auf Typos hingewiesen habe. Zwar nicht nach dem Motto "das Wort ist falsch geschrieben, bei dem Wort hast du dich vertippt etc.pp.", sondern halt die Anmerkung, dass ich über ein paar gestolpert bin (so quasi als Anreiz nochmal drüber zu lesen ;)). Aber du hast Recht - eigentlich ist sowas dann besser in ner PM aufgehoben, denn im Review sollte man sich ja nun echt nicht als Beta aufspielen :)

    BTW... FEEEEIIIIIIERABEND!!!!!!! *yay*

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  4. Die Charakter-Kritik isses eigentlich weniger... Die find ich eher anspornend. Oft reicht dann n hinzugefügter Satz irgendwo, dass ich dann als Autor selbst n besseres Gefühl hab. Wirklich was umgeschrieben hab ich noch nie. Ich erklär mich höchstens noch zusätzlich.

    Ich krieg halt nach 20 Jahren immer noch die Sinnkrise. Vielleicht is das anerzogen, wenn man immer in allem die Schlechteste, Mittelmäßigste, Lächerliche war... Ich kann nix, aber auch gar nix von mir n paar Wochen später noch mal lesen und gut finden. Da brauch ich nur n Hinweis von Andaurial da jetzt zB wieder sehen zwecks Adjektiv-Überschuss und krieg sofort die Krise, weil ich denk, das mach ich auch viel zuviel. Und Wort- und Ausdruckswiederholungen, außerdem bin ich Actionszenen-Legastheniker und überhaupt is sich das alles immer so ähnlich... Merkst du was? Ich stürz stilistisch von einer Krise in die nächste. Ich glaub, das is mein Fluch als Autor. Dabei hab ich Storys von mir, die ich gern und immer wieder les, sogar irgendwelche Cartoon-Kindheitsgeschichten, die's nie ins Inernet schaffen werden, oder grausamstes PWP und Torture/Splatter. Es gibt auch Kapitel, die ich insgesamt mag, Szenen, wo's mir die Tränen in die Augen treibt. Aber ich werd nie irgendn Kapitel oder ne Datei zumachen und sagen, joah, das war jetzt perfekt...

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  5. Ach Stormyyyyyy *schnief* ich könnte wirklich heulen, wenn ich merke, wie sehr du manchmal an dir zweifelst... dabei bist du in meinen Augen eine der GANZ großen auf ff.de, wenn nicht sogar die größte (für mich halt :)). Okay, manchmal ist es vielleicht nicht mal schlecht, wenn man sein eigenes Zeug überkritisch betrachtet. Das spornt unter Umständen an und bringt einen dazu, nicht einfach jeden "Rotz" zu posten, der einem gerade in den Sinn gekommen ist. Man will, dass es perfekt ist, wenn man es der breiten Masse zugänglich macht. Das kenn ich. Weißt du, dass ich z.B. den "Zirkus" Oneshot bei Fairy Tail absolut zum kotzen fand? Ich hätte losheulen können, weil ich dachte, es ist der größte Schund und absolut idiotisch geschrieben. Ich kenn also die kleinen Krisen, glaub mir.

    Aber glaub mir bitte auch, wenn ich dir sage, dass du dir viel zu viele Sorgen machst. Ich bin schließlich einer deiner Leser und als Leser reviewe ich auch, nicht als Freundin. Wenn ich dir sage, ich fand es perfekt, dann fand ich es perfekt. Das is keine Bauchpinselei o.ä. Klar, es ist immer Geschmackssache, das, was ich perfekt fand, findet ein anderer vielleicht "nur" gut. Es gibt ohnehin IMMER Leute, die irgendwas auszusetzen haben, das ist einfach ein ungeschriebenes Gesetz.

    Bitte bitte bitte mach dein Können nicht selbst so schlecht, du verwendest weder zuviel Adjektive, noch wiederholst du dich auffallend, deine Actionszenen sind total geil und da is sich auch nix ähnlich. Verdammt. :-P Du bist eine Bereicherung in jedem Sektor in dem du dein Unwesen treibst, also weg mit den Komplexen, aber zackig :-P (sprach die, die selbst ein wandelnder Komplexhaufen ist *rofl*) ;-)

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  6. Süße, manchmal weiß ich net, was ich ohne dich tät :( *einfach mal drück* Sorry, bin die Woche n bissl niedergeschlagen, aber Worte wie von dir sin immer wieder Balsam...

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  7. Vor ein paar Monaten habe ich auch in einer Stilkrise gesteckt. Ich war überkritisch zu mir selbst und wollte unbedingt, dass meine erlebte Rede so direkt wie nur irgend möglich wird (aus der 3. Person). Mannomann, hab ich mich damit fertig gemacht, jede Handlungsbeschreibung habe ich überprüft und noch mal umgeschrieben wenn ich auch nur die Vermutung hatte, sie könnte zu auktorial beschrieben wirken... (und auktorial war bei mir zu dem Zeitpunkt fast so ziemlich jede Handlungsbeschreibung... subjektiv empfunden, zumindest). Es war grausam, ich hab das Gefühl gehabt, dass ich es verlernt hätte zu schreiben, dass ich schreiberisch/stilistisch abbaue...
    Und meine "mein OC ist eine Sue!"-Krise habe ich immer noch nicht völlig überstanden. Diese Angst, meine OCs könnten zu Sues mutieren bzw. dass meine OCs schon längst Sues sind, quält mich immer noch irgendwie... ich hab eine Scheißangst dass Marcia eine Sue wird/ist, aber wenn ich ihr Schwächen gebe um der Schwächen willen wirkt das Ende auch nur konstruiert und gewollt. Argh! Dabei weiß ich doch eig. sehr genau, was sie kann und was sie nicht kann, welche Fehler sie hat und dass sie eben NICHT jeder magt und sie sich eben NICHT alles leisten kann - trotzdem ist da diese Sue-Angst... >.<

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  8. @Stormy: och Süße, das klingt aber nicht gut :( wenn du reden magst, schick mir ne Nachricht, hoffe, heut geht's dir ein bisschen besser *drück* und hey... alles nur die Wahrheit :)

    @Andauril: hach Gott, ich weiß wie übel diese Krisen sein können. Und meist sind sie noch dazu völlig unbegründet - wenn wir das nur auch mal selbst kapieren würden *hehe* gerade, wenn einem z.B. das geschriebene nicht gefällt, ist es ganz böse... denn dann gefällt einem GAR nix, was man schreibt. Egal, welche Ziele man sich persönlich steckt, egal, wie man schreiben will - alles ist Mist. Zumindest ging es mir schon oft so und da bin ich dann auch untröstlich *hehe* dabei ist es genauer betrachtet wirklich albern. Wenn ich z.B. erlebe, dass ich für Kapitel, die ich selbst grottenschlecht fand (die gab es auch bei Deception), gelobt werde, hat mir das immer Mut gegeben und mir gezeigt, dass ich manchmal wirklich ZU kritisch bin. Ich vermute mal, in jedem von uns steckt so n kleiner Perfektionist *hehe* Zum Thema Sue... da folgt heute oder morgen noch ein extra Post im Blog :)

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