Sonntag, 23. Dezember 2012

Königsdisziplin

Schreibenderweise gibt es meines Erachtens drei so genannte "Königsdisziplinen". Das wäre a) lemons, b) Parodien und c) Charakterisierungen.

Punkt a:
Lemon. Wieso eigentlich lemon? Das frage ich mich bis heute noch, mal ganz davon abgesehen, dass ich mich an den Begriff inzwischen gewöhnt habe, aber am Anfang hab ich mich doch immer gewundert, wie man von Sex auf "lemon", also ZITRONE kommt... vielleicht, weil man beim Sex ein Gesicht macht, als hätte man soeben in eine Zitrone gebissen? Man weiß es nicht, wie dem auch sei... Seit ich auf ff.de bin, hab ich gefühlte 40-50 lemons geschrieben und ich kann mich noch erinnern, wie wahnsinnig viel Angst ich hatte, die erste intime Szene zu veröffentlichen. Einfach, weil ich persönlich der Meinung bin, dass man das wirklich kolossal verhunzen kann. Es soll ja schließlich keine bloße "rein-raus-fertig" Szene sein, man möchte nach Möglichkeit Stimmung erzeugen und es so lebensecht wie möglich darstellen. Mit der Zeit wurde es dann besser, die Nervosität war nicht mehr so dermaßen ausgeprägt und irgendwann hatte ich sogar Spaß daran gefunden und hab mich auf diese Szenen ganz besonders gefreut. Damals hab ich mich unter der falschen Annahme auf ff.de bewegt, dass lemons zu einer Geschichte dazu gehören, denn als ich mich auf ff.de registriert hatte, wurde in jeder Story nach Sexszenen verlangt - wieso eigentlich? Geht es denn -ganz salopp ausgedrückt- ums aufgeilen? Ich hab keine Ahnung... klar, manchmal ist sowas ganz nett fürs Kopfkino, aber mittlerweile verzichte ich ziemlich oft auf lemons, wo ich sie früher gnadenlos im 2-Kapitel-Takt veröffentlicht hätte. Sie müssen nicht sein, sind nicht nötig, um eine Story interessant zu machen, aber dennoch sind sie eine nette Beigabe und hin und wieder überkommt mich auch immer noch die Lust, ein paar intime Szenen zu schreiben. Aber meine Herren, bin ich schon über ÜBLE lemons gestolpert... "er drang in ihre Vulva ein und wälzte sich mit ihr herum, damit sie ihn reiten konnte" und 2 Sätze später wars dann vorbei. Ungelogen. Und das ist nur eines von vielen Beispielen. Leider merkt man oft, dass da junge Mädchen schreiben, die selbst nicht gerade besonders viel Erfahrung haben und das MERKT man einfach beim Lesen. Sicher, man kann eine Story auch verhunzen, wenn KEIN lemon drin vorkommt, wenn man schlecht schreibt, schreibt man schlecht, ob lemon oder nicht... aber trotzdem finde ich, dass eine schlecht geschriebene Sexszene eine eigentlich ganz gute Geschichte total ruinieren kann. Man braucht Fingerspitzengefühl, das ist nichts, was sich mal eben so einfach hinklatschen lässt und ich finde, dass man bei lemons wirklich ganz, ganz vorsichtig sein muss.

Punkt b:
Parodien. Leider sind offenbar viele Hobbyautoren der Auffassung, dass "Komödie" mit "Parodie" gleichzusetzen ist. Aber eigentlich sollte der himmelweite Unterschied klar sein. In der Parodie geht es darum, das Fandom gnadenlos durch den Kakao zu ziehen und nicht einfach nur "lustige" (hust) Situationen zu beschreiben. Ich bin schon seit JAHREN auf der Suche nach wirklich guten Parodien. Ich lache gern. Ich liebe Parodien (Leuts, gebt mir nen Film wie Scary Movie und ich bin glücklich), aber bislang hab ich keine einzige Parodie gefunden, die mich wirklich mitgerissen hat. Denn sie waren einfach grottenschlecht. Humor gleich null und grundsätzlich den Sinn des Ganzen völlig missverstanden. Ich spiele schon SO lange mit dem Gedanken, mich mal an einer AC Parodie zu versuchen, denn eigentlich wäre da wahnsinnig viel rauszuholen. Stellt sich natürlich die Frage - "darf" man das eigentlich als Fan? Sollte man sich dann nicht eher entrüsten, wenn das geliebte Fandom verarscht wird? Mitnichten! Ich finde, gerade die hardcore-Fans sind es, die die besten Parodien schreiben können, denn sie kennen sich in der Materie aus und wissen, WAS sie da eigentlich veräppeln. Ich liebe z.B. Herr der Ringe und habe mir trotzdem irgendwann mal ein Buch namens "Der Herr der Augenringe" gekauft. Was hab ich gelacht. Wenn einem da plötzlich ein Aragorn begegnet, der absolut nichts kann außer reimen, ist das doch ne erfrischende Angelegenheit. Meines Erachtens sind die Parodien also absolut eine Königsdisziplin, denn man sollte es im Optimalfall schaffen, die "echten" Fans zum Lachen zu bringen.

Punkt c:
Charakterisierung. Punkt a und c lassen sich übrigens ganz wunderbar verbinden, denn gerade beim Sex kann man seeeeehr gut auf Emotionen und das Seelenleben eines Charas eingehen. Grundsätzlich kann man bei Charakterisierungen wenig kritisieren, denn wie man einen bestimmten Charakter aus einem Fandom auffasst, ist immer Ansichtssache. Immer. Nehmen wir das Beispiel Tony Stark - nur, weil ich ihm gewisse Sachen andichte und ihn gewisse Dinge denken lasse, heißt das nicht, dass jeder andere Fan genau das gleiche in den Charakter hinein interpretiert. Im Endeffekt hat man also wahnsinnig viel Spielraum, was das angeht. Jeder legt gewisse Handlungen anders aus, bleibt also die Frage, ob man da überhaupt was "falsch" machen kann? Ja, ich finde schon! Auch, wenn man bestimmte Sachen unterschiedlich auslegen mag, sollte man doch versuchen, dem Charakter Dinge anzudichten, die typisch für ihn sind. Man sollte beim Lesen das Gefühl haben "wow, genau so könnt ich mir das bei xy vorstellen". Denn Auslegungssache schön und gut - ein Tony Stark ist z.B. kein Feigling, der sich heulend in einer Ecke verkriechen würde. Was natürlich nicht bedeutet, dass er keine schwachen Momente hat, im Gegenteil... es kommt eben einfach auf die Dosierung an und das ist ne Sache, die manchmal wirklich ganz schön knifflig sein kann. Gerade bei diesem Punkt c lässt sich drüber streiten, ob es irgendeinen "Maßstab" gibt. Wie gesagt - jeder empfindet gewisse Dinge anders und interpretiert anders. Der Trick ist eben einfach, eine bestimmte Handlung oder einen bestimmten Gedankengang schlüssig darzustellen. Wenn man mir logisch erklärt wieso, dann würde ich sogar auch Tony mal als heulendes Häufchen Elend akzeptieren ;-)

Wie komme ich überhaupt darauf? Einfach, weil ich heute wieder mal festgestellt habe, wie sehr es mich freut wenn ich über Autoren stolpere, die diese Königsdisziplinen (und das soll natürlich kein Maßstab sein - ihr empfindet vielleicht andere Genres als viel schwieriger) so gut im Griff haben. Da frage ich mich immer wieder... warum hat diese Person nicht schon längst ein Buch veröffentlicht?!? Ich freue mich einfach immer wieder jeden Tag, wenn ich mich auf ff.de einlogge und bei meinen Favos rumstöbere und mir diese unfassbare Kreativität ins Auge springt. Das entschädigt für all die kleinen Dinge, die mich auf ff.de immer wieder aufregen ;D Wie dem auch sei... an dieser Stelle einfach mal ein kleines danke an all meine Favo Autoren. Ihr versüßt mir meinen Alltag. Immer wieder!

4 Kommentare:

  1. Hihi, ne ne, da sin wir schon ganz einer Meinung ;). Wobei ich generell Humor zur Königsdisziplin zähl. Vielleicht, weil ich so n speziellen hab. Ich find Police Academy toll, Scary Movie 1, ich lach mich bei Michael Mittermeier schlapp und liebe Klopfers Web. Monthy Python find ich hingegen nur bedingt lustig, und Mr Bean macht mich regelrecht aggressiv. Humor is was ganz Komplexes, und jeder hat nen anderen...

    Hach ja, meine Sexszenen. Ich liebe sie. Selbst wenn ich bloß drauf los schmuddel, wird mir gesagt, da is Charakterisierung drin, und klar, da bin ich schon n bissl stolz drauf. Als SMler geht man halt auch an Sex noch mal anders ran. Da is einfach alles drin, was auch die Beziehung ausmacht. Bestimmung, Demut, Macht, Einfühlungsvermögen, Vertrauen vor allem, Reden, Verstehen, Reinfühlen. Meine Sexualität hat mich zu nem großen Teil geformt, und deswegen verzicht ich auf solche Szenen auch net, auch wenn sie aus Jugendschutzgründen nur offline verfügbar sind. Ich hab das dumme Gefühl, dich hab ich mit meinen SM-Szenen abgeschreckt *rot wird*, das tut mir leid *seufz*. Aber solange die Message auch ohne solche cut scenes rüberkommt, bin ich froh...

    Hach ja, und ich schließ mich einfach mal an: Du bist und bleibst eine meiner absoluten Lieblings-Autoren, und ohne dich würd ff.de drastisch im Niveau sinken...

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  2. OH GOOOOOOOTT hör mir auf mit Mr Bean... ich HASSE es... ich habe mich immer wieder gefragt, wie man sowas ernsthaft lustig finden kann... und Police Academy... YAAAAYYYY, ich LIEBE es :D "samba, onga, olé, ich bin, ich bin die Feuerfee" *trommel* :D (geht nix über Zed!!!) *g*

    Nein, hast du nicht Süße ;) ich hab einfach nur schon seit längerem generell weniger Lust auf Sexszenen, vielleicht einfach, weil man in JEDER Geschichte damit überhäuft wurde... vielleicht hab ich mich einfach satt gelesen ;) wobei ich natürlich auch sagen muss, dass deine Szenen sich immer WEIT von den anderen abgehoben haben - im positiven Sinne. Mit SM Szenen könntest du mich nie abschrecken, denn obwohl ich mich jetzt nicht wirklich als "Experte" in der Szene bewege, sind da durchaus Elemente, die ich persönlich auch schon mal gern... ähm... praktiziert hab *lol* also das ist es nicht, keine Sorge ;) wie gesagt, es war einfach nur dieses generell "Unlust haben auf Sexszenen" :D aber das kann sich schon in ein paar Tagen ändern *hehe* ;)

    hach Gott... *schnief* danke, du Süße *knuddel* ich bin froh, dass du nach so langer Zeit immer noch "durchhältst" auf ff.de, ohne dich wärs da echt trist :)

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  3. Du hast Recht mit dem, was du schreibst.
    Wobei: Ich glaube nicht, dass man Sex gehabt haben muss, um gute Sexszenen schreiben zu können. Ich meine, schau dir "Shades of Grey" an. Die Autorin hat glaube ich Kinder, also sicher Sex gehabt, und ihre Sexszenen sind grottig, ganz furchtbar! Viel wichtiger als echte Erfahrung ist Einfühlungsvermögen und das Gespür für die Charaktere.
    Übrigens, die besten Parodien, die ich auf FF.de gefunden habe, waren solche auf andere FFs... damit meine ich die berühmt-berüchtigten Mary Sue Storys. Da gibt es eine im Harry Potter Fandom, die die typischen Mary Sue Storys wunderbar auf die Schippe nimmt. Es ist echt witzig und amüsant, wie sich die Canon Charaktere auf einmal bewust werden, wie sehr Sue sie nervt und dann versuchen, sie los zu werden.
    Wenn dich die Story interessiert: http://www.fanfiktion.de/s/4076e4460000066e067007d0

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  4. *hehe* Shades of Grey werd ich mir definitiv NICHT ansehen ;D das, was ich so vom Hörensagen mitbekommen habe, reicht mir in dem Fall schon zur Genüge... und klar, du hast schon Recht, das Einfühlungsvermögen muss in großem Maße da sein, ich meinte auch nicht, dass man Sex gehabt haben MUSS, um solche Szenen schreiben zu können - nur finde ich eben, dass man es merkt, wenn jemand auf dem Gebiet gänzlich unerfahren ist, was sich oft einfach am "technischen" zeigt ;D das wirkt dann manchmal wie die Kleinmädchenvorstellungen, in denen der erste Sex (!) ganz wunderbar ist, sich wahnsinnig toll anfühlt und absolut null Schmerzen im Spiel sind und Nervosität? Ach iwoooo, weil is ja was ganz alltägliches... ich sag mal, in 9 von 10 FFs ist der erste Sex total super. Speziell bei AC hab ich EINE einzige FF gesehen, in der da etwas realistischer drauf eingegangen wurde und das fand ich echt gut. Klar muss man nicht ins Detail gehen, von wegen was da jetzt wie weh tut, das dämpft natürlich auch das Lesevergnügen irgendwo... aber gerade bei den Szenen, in denen alles perfekt und wundervoll ist, fang ich doch an zu zweifeln ;) richtig süß ist es dann, wenn ich FFs von 14-jährigen sehe, die auf 18 gerated sind :D Summa summarum - natürlich hast du Recht, dass auch "unerfahrene" gute Sexszenen schreiben können, ich finde nur, dass man es eben merkt :D

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