Sonntag, 25. November 2012

Drabbles vs. lange Geschichten

Manchmal bin ich wirklich sehr unsicher, was jetzt besser kommt. Was mir besser liegt. Was mir mehr Spaß macht. Was die größere Herausforderung ist. Gerade bei letztem Punkt tendiere ich jedoch an 9 von 10 Tagen zu den Drabbles. Erstmal noch zur Erklärung: Drabbles sind Geschichten bzw. Texte, die aus exakt 100 Wörtern bestehen (nicht mehr und nicht weniger). Bestenfalls haben sie dann auch noch eine Pointe (was ich zwar immer versuche, aber bestimmt nicht immer hinkriege, denn ich kann nicht jedem einzelnen Drabble einen überraschenden Schlusseffekt verpassen). Dies zur Klarstellung, da ich leider, leider schon oft über Geschichten gestolpert bin, die in der Kurzbeschreibung oder dem Vorwort zwar als Drabble angepriesen werden, dann aber definitiv keine Drabbles sind. Eindeutig mehr als 100 Wörter (da muss man auch nicht nachzählen, das sieht man) und vermutlich nur deswegen als 'Drabble' bezeichnet, weil sie trotzdem sehr kurz sind. Das mögen dann z.B. 236 Wörter sein etc. Wenn ich sehe, dass jemand so etwas dann als Drabble bezeichnet, könnt ich an die Decke gehen. Wenn ich schon was schreibe, das ich als spezielles Genre angebe, dann sollte ich auch Ahnung davon haben.

Also nochmal ausdrücklich - es ist nur dann ein Drabble, wenn es aus exakt 100 Wörtern besteht. Nur. Dann. Es gibt natürlich auch die Varianten der Double- und Triple-Drabbles, die (wie der Name eigentlich schon sagt) dann aus exakt 200 oder 300 Wörtern bestehen. Soviel also zum 'Technischen'.

Ich weiß noch, wie ich mich an meinem allerersten Drabble versucht habe und ich hatte sofort Blut geleckt. Ich hatte eine Phase, in der ich mich schreibtechnisch ein wenig gelangweilt und nach einer neuen Herausforderung gesucht habe. Und Drabbles sind definitiv eine Herausforderung. Das Wesentliche eines Texts bzw. einer Idee in 100 Wörter zu packen, kann unter Umständen verdammt knifflig werden und wenn ich es dann nach ewigem "Gepuzzle" schaffe und mir dann auch noch von meinen lieben Lesern gesagt wird, dass es gut ist oder dass sie beeindruckt sind, wie man mit 100 Wörtern überhaupt Emotion erzeugen kann, bin ich glücklicher als ein Kind an Heiligabend.

Aber Leute, glaubt mir... was vielleicht so "hoppla hopp" wirkt, weil man es eben in 10 Sekunden gelesen hat - da steckt manchmal wirklich tagelange Arbeit drin. Was ist wichtig, was kann weggelassen werden, was muss/soll ersetzt werden, worauf kann man verzichten etc. ... all das sind Dinge, die einen beim Schreiben eines Drabbles quälen. Und gerade für mich war das am Anfang wahnsinnig schwer, denn eigentlich bin ich jemand, der dazu neigt in seinen Stories rumzuschwafeln. Damals, in meiner Lost Story hab ich z.B. aus einem popligen Ereignis, das andere vielleicht nur mal kurz in nem Nebensatz angerissen hätten, ein komplettes Kapitel von 6 oder 7 Seiten gemacht. Auch in 'Deception' bin ich hin und wieder darauf hingewiesen worden, dass dies oder das ein wenig arg lang war. Ich hatte also immer ein wenig 'Angst', dass sich Stimmung nur dann erzeugen lässt, wenn man möglichst viel schreibt und habe das auch immer so gehandhabt.

Aber seit ich meine ersten Drabbles im AC Fandom auf die Leute losgelassen habe und jetzt auch mein Uncharted 100 Filmzitate Projekt am Laufen habe, bekomme ich eigentlich durchweg positive Reaktionen. Gut, manche merken auch an, dass so kurze Sachen eigentlich nichts für sie sind, doch meist kommt dann die Anmerkung, dass es ihnen trotzdem gefällt - hauptsächlich, weil sie nicht dachten, dass man eben ein kleines Szenario mit nur 100 Wörtern erschaffen kann. Gut, in der Regel mache ich keine einzelnen Drabbles, sondern Drabblereihen, die dann, je nach Anzahl der Drabbles, sogar die Länge eines "normalen" Kapitels erreichen. Vielleicht wirkt es auch deswegen etwas "umfangreicher". Aber die Quintessenz einer Szene bleibt trotzdem bei 100 Wörtern und ich bin immer so wahnsinnig glücklich, wenn ich wieder mal jemanden damit 'begeistern' konnte :-)

Ich habe allerdings auch gemerkt, dass ich nicht nur Drabbles schreiben kann. Ich brauche zum Ausgleich immer wieder auch lange Texte (die ich momentan in meiner Oneshot-Sammlung im FT Bereich schreibe), sonst würde mich dieses 100-Wörter-Arbeiten irgendwann vermutlich wahnsinnig machen *hehe* Manchmal müssen die Dinge einfach noch mehr ausformuliert werden, manchmal passen Drabbles schlicht und ergreifend nicht - man kann sie wirklich nicht auf alles anwenden, bzw. kann man's versuchen, aber bei manchen Dingen würde es in die Hose gehen. Von daher bin ich ganz froh, dass ich beide Möglichkeiten in meinen laufenden Geschichten habe.

Ich habe außerdem festgestellt, dass ich mir durch die Drabbles angewöhnt habe, auch in meinen langen Texten etwas kürzer zu schreiben. Schon ausführlich, aber ich verzichte mittlerweile auf manche Dinge, die ich früher ellenlang breitgetreten hätte. Mit meinem Geschwafel war ich selbst irgendwann nicht mehr glücklich - Stimmung erzeugen schön und gut, aber irgendwann verliert man zwangsläufig Leser, wenn das Lesen langweilig und ermüdend wird, weil man jetzt seitenlang auf einer einzigen Sache rumreitet. Ich denke, inzwischen habe ich ein einigermaßen annehmbares Mittelmaß gefunden und ich bin happy damit.

Würde man mich vor die Wahl stellen - Drabbles oder lange Geschichten... ich könnte mich wirklich nicht entscheiden. Beides hat Vorteile (aber eigentlich kaum Nachteile) - vielmehr ist es so, dass ich die Abwechslung liebe. Und die habe ich :-) An dieser Stelle also nochmal vielen Dank an all jene, die sich auf meine Drabbles bislang eingelassen haben und mich mit ihren positiven Reaktionen motiviert und glücklich gemacht haben :-) Danke, ihr seid die Besten!

4 Kommentare:

  1. Ah ja... Drabbles! Ich liebe die. Ich schreibe sie auch gerne, auch wenn sie echt nicht leicht zu schreiben sind, man muss sich ja wirklich extrem kurz fassen! Aber das macht den Reiz aus, finde ich.

    Ich kann es übrigens auch nicht leiden, wenn z.B. Kurzgeschichten als Drabble bezeichnet werden. Das sind keine Drabbles, das sind Kurzgeschichten! Ein Drabble hat genau 100 Worte, nicht 1000! Lernt das endlich! >.<

    Ich könnte mich jedenfalls auch nicht entscheiden. Es hat beides seinen Reiz und ich finde, es braucht auch beides :)

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  2. Ich bin dann wohl die große Ausnahme... Ich hab dich noch nie schwafeln gelesen. Und wenn du das heute so bezeichnest, was du damals so verfasst... Aua. Dann weiß ich wieder, dass ich ne elendige Schwaflerin bin *G*. Aber hey, du weißt ja, ich liebe beides von dir, ich glaub, es gibt nix, womit du mich abschrecken könntest ;)

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  3. @Andauril: Deine AC Drabbles fand ich z.B. auch wirklich toll (und hoffe natürlich, dass es da auch bald weiter geht *hehe*) und genauso sehe ich das auch - gerade das kurz fassen macht den Reiz aus und ich liebe diese Herausforderung total :) Und stimmt absolut... es braucht beides *unterschreib*

    @Stormy: Hmmm na ja, wenn ich mir in Erinnerung rufe, dass Kim am Schluss in Passion wirklich NUR noch über alles zig Seiten nachgedacht hat und man die Dialogzeilen an einer Hand abzählen konnte, würde ich schon sagen, dass das Geschwafel war ;) Du bist hingegen absolut keine Schwaflerin, denn bei dir passiert in jeder Zeile was. Da wird nix langweilig, da wiederholt sich nix, alles treibt die Handlung voran und es bleibt ständig spannend. Das war bei mir nicht mehr der Fall, ich hab Kimmy NUR noch über jeden Scheiß ewig lang nachgrübeln lassen - es ging mir echt selbst auf die Ketten *lach* schöööön, dass ich dich nicht so leicht abschrecken kann *hihi*

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  4. Da kommen bestimmt noch mehr, nur hab ich es mir natürlich schwer gemacht mit der chronologischen Reihenfolge :D Und das Kurzfassen ist ja auch nicht so leicht.

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